Plankstadter Geschichten

Was wäre eine Gemeinde ohne ihre Geschichten? Unsere Gemeinde steckt voller Geschichten. Regelmäßig erinnert sich daher Gemeindearchivar Ulrich Kobelke  in der Rubrik Plankstadter Geschichten an früherer Begebenheiten, wie beispielsweise Straßennamen, Gebäude, Schul- und Lehrergeschichten, Erinnerungen an Ärzte und Zahnärzte, Brauchtum, kirchliche Ereignisse, Persönlichkeiten oder Erinnerungen an frühere Gastwirtschaften oder berichtet über Persönlichkeiten die das Ortsgeschehen geprägt haben. Einmal jährlich verfasst er den Heimatbrief. 

Berthold Fertig – vor 110 Jahren geboren


Schützenhütte in der Gewann Jungholz


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Wer mit dem Fahrrad, zu Fuß oder auch mit dem Auto (beispielsweise beim Spargeleinkauf) in der nördlichen Plankstädter Flur unterwegs ist, dem mag schon mal aufgefallen sein, dass es da einen Hüttenweg gibt, obwohl weit und breit keine Hütte oder etwas ähnliches zu sehen ist. Dieser Hüttenweg verläuft im Gewann Jungholz vom Baumlehrpfad zum „Grenzhöfer Chauseele“ (K 4144) und endet dort. Parallel dazu verläuft etwas ortsnäher der Raingewannweg von der Gaststätte der Kleintierzüchter ebenfalls zur Kreisstraße K 4144. Wegenamen, besonders in der Feldflur, weisen meist auf frühere Bedeutungen hin. So auch der Hüttenweg. Tatsächlich gab es einmal, und so lange ist das gar nicht her, eine Hütte an der Einmündung dieses Weges in die Kreisstraße 4114. Es handelte sich um eine aus Stein gemauerte, mit einem steinernen Flachdach versehene Hütte, die an den Wänden nur drei Sehschlitze und die Eingangsöffnung hatte. Bei der Plänkschter Bevölkerung war diese Hütte unter dem Namen „Schützenhütte“ bekannt. Und auch Schutz bot diese Hütte bei aufziehenden Unwettern den auf den Feldern arbeitenden Menschen allemal. Man muss sich vor Augen halten, dass Feldarbeit in alter Zeit nicht vom schnellen und schützenden Traktor aus verrichtet wurde, mit dem man im Notfall auch relativ schnell den heimatlichen Hof wieder erreichen konnte. Viele Menschen gingen zu Fuß oder fuhren mit dem Fahrrad zu den Feldern um dort etwa Unkraut zu hacken oder beispielsweise Kartoffeln auszumachen. Da brauchte man nach Hause schon eine Weile und brauchte zuweilen auch einen Unterstand, wenn man vom Unwetter überrascht wurde. In diesem Gewann Jungholz befanden sich die Rottstücker, das Allmendgelände, das an die Ortsbürger zur Bewirtschaftung vergeben wurde und diese waren zumeist nicht im Besitz von Fuhrwerken mit Pferden oder gar Traktoren.

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Sannchen Treiber , geb. Wacker ist eine äußerst bemerkenswerte Frau: Am 1. Dezember 2018 wird sie 99 Jahre alt und es ist erstaunlich, wie geistig und körperlich fit und beweglich sie im hohen Alter ist. In letzter Zeit hat ihr Sehvermögen stark nachgelassen, was sie sehr bedauert, aber wenn sie in Erinnerungen schwelgt und erzählen kann, dann wird schnell deutlich, wieviel aus der Vergangenheit bei ihr noch ganz lebendig ist. Sie gehört mit der bald 104-jährigen Anna Maria Gagel zu den letzten Plänkschter Zeitzeuginnen, die noch die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts bewußt erlebt haben und auch darüber erzählen können. In welche Zeit wurde sie hineingeboren? Der Erste Weltkrieg war beendet und Deutschland erlebte den Übergang vom Kaiserreich zur Demokratie. Kaiser Wilhelm II. musste nach dem verlorenen Krieg abdanken und ging ins holländische Exil – das deutsche Kaiserreich war beendet. Friedrich Ebert wurde Reichspräsident und es begann die Zeit der Weimarer Republik mit all ihren Höhen und Tiefen – vom Versailler Vertrag, der Inflation, der Rheinland-Besetzung durch die Franzosen, über die Zeit der Wiederanerkennung und Eingliederung Deutschlands in den Völkerbund, der Aufstieg in den goldenen Zwanziger Jahren bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 und zum endgültigen Scheitern der jungen Demokratie im Jahr 1933. Sie war eine aufmerksame Zeitungsleserin und immer am Geschehen um sie herum interessiert – heute muss ihr wegen der schwachen Augen ihre Tochter oder die Enkelin aus der Zeitung vorlesen. Seit Gründung der Plankstädter Hausfrauen saß Sannchen Treiber zusammen mit ihrer Tochter Christel bei allen Veranstaltungen am Klavier und im evangelischen Kirchenchor sang sie als aktive Sängerin bis vor wenigen Monaten mit. Ihr altes Haus im Wieblingerweg 12 wird bald abgerissen und da war es ihr ein Herzensbedürfnis, noch einmal von der alten Zeit und den längst verstorbenen Verwandten zu erzählen. So lagen denn auch bei meinem Besuch die alte Familienbibel mit ihren familiären Eintragungen und die alten Fotoalben nicht nur bereits aufgeschlagen auf dem Tisch, auch Hinweiszeichen waren bei den Stellen eingefügt, wo sie über etwas zu berichten hatte.

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