Buchtipp

Buchhandlungen, Kinos und Kneipen geschlossen, Kulturveranstaltungen abgesagt: Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu bremsen, steht das öffentliche und soziale Leben still. Doch nicht nur Netflix und Co. können eine Ablenkung sein, finden wir - und empfehlen Ihnen: Nehmen Sie sich Zeit für ein dickes Buch!

Am besten eins, dass aufgrund seines Umfangs schon solange in ihrem Regal darauf wartet gelesen zu werden.

Luis Sellano: „Portugiesisches Erbe. Ein Lissabon-Krimi“. Paperback, Heyne München 2016, 368 Seiten

Buchtitel

Der Autor Luis Sellano lebt eigentlich in Süddeutschland, der Name ist ein Pseudonym. Verfasst hat Sellano einen Krimi, der sich an alle richtet, die demnächst nach Lissabon reisen oder der Stadt bereits verfallen sind, wie es den meisten ergeht, die dort einmal gewesen sind. Beim ehemaligen Polizisten Henrik Falkner ist es allerdings keineswegs Liebe auf den ersten Blick, als er die Erbschaft seines von der Familie geächteten Onkels beäugt: ein weitgehend heruntergekommenes, von eher zahlungsschwacher Klientel bewohntes Haus samt Antiquitätengeschäft. 

Bald entdeckt Falkner allerdings, dass hinter dem Chaos im angestaubten Antiquariat ein System steckt: offenbar hat sein Onkel über Jahre Hinweise und Spuren zu unaufgeklärten Verbrechen gesammelt. Falkners erster Treffer offenbart ein gruseliges Geheimnis, das sogleich böse Schergen auf den Plan ruft. Henrik Falkner umweht ein tragisches Schicksal, das ihn empfänglich macht für die typische Lissaboner Mischung aus Schönheit, Verfall, Melancholie und Lebenslust. 

Die selbstbewussten Frauen, auf die Falkner trifft, sind ebenso schön wie charakterlich kantig und so temperamentvoll wie liebeshungrig. Verlässlich steuern die Protagonisten auf den gut 360 Seiten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an, angefangen beim Einkaufsviertel Baixa Pombalina über das Café a Brasileira, Lissabons berühmtestes Kaffeehaus, bis zum Castelo de São Jorge und zum Kloster São Vicente de Fora, um nur einige zu nennen. Falkner kostet seltsame portugiesische Spezialitäten und lauscht dem melancholischen Fado, dem berühmten Gesang. Gekonnt verwebt Luis Sellano Personen, Handlung und Orte miteinander und erschafft einen Krimi, der wohlige Erinnerungen an eine der schönsten Städte Europas auslöst.

Andreas Gruber, Rachesommer, TB, Goldmann Verlag 2011, 409 Seiten

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Rachesommer" ist der erste Teil der "Rache-Reihe" von Andreas Gruber. Hier führt der Autor zwei sehr gegensätzliche Protagonisten geschickt zusammen.
Zwei Fälle - Eine Lösung??


Vier wohlhabende  Männer sterben in Wien innerhalb kürzester Zeit bei verschiedenen Unfällen. Die Anwältin Evelyn Meyers ist die Einzige die nicht an einen Zufall glaubt. Gleichzeitig begehen in Leipzig mehrere Jugendliche, Insassen von psychiatrischen Kliniken, Selbstmord. Der Kommissar Walter Pulaski glaubt nicht an Selbstmord und beginnt zu ermitteln. 

Die Nachforschungen zu beiden Fällen führen Evelyn und Pulaski zusammen. Haben ihre Fälle mehr miteinander zu tun, als sie ursprünglich dachten? Die Kapitel sind aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, zum einen aus der Sicht von Evelyn und zum anderen aus der Sicht von Pulaski. Beide ermitteln auf ihre Art und decken den Fall immer weiter auf..
"Rachesommer" ist ein toller Auftakt zu einer neuen Reihe und macht Lust auf die weiteren Teile.

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